Beschäftigte oberhalb der Versicherungspflichtgrenze sollten künftig selbst entscheiden können, ob sie den gesetzlichen Kündigungsschutz in Anspruch nehmen oder gegen eine verhandelbare Flexibilitätsprämie darauf verzichten.
Ausgangspunkt dieses Vorschlags ist ein Konstruktionsfehler des heutigen Kündigungsschutzes: Er schützt den einzelnen Arbeitsplatz, nicht aber die Erwerbsbiografie der Beschäftigten. Weil sein Wert mit der Dauer der Betriebszugehörigkeit wächst und beim Arbeitgeberwechsel verloren geht, erhöht er die Opportunitätskosten eines Jobwechsels und dämpft so die Arbeitsmarktmobilität.
In einer sich schneller wandelnden Wirtschaft, in der Beschäftigte häufiger den Betrieb, die Branche oder sogar den Beruf wechseln müssen, wird diese geringe Mobilität zunehmend zu einem Risiko für Produktivität, Innovation und wirtschaftliche Dynamik. Dieses Papier trägt die empirische Evidenz für diese Diagnose zusammen und entwickelt daraus einen eng umrissenen Reformvorschlag – mit dem Ziel, Sicherheit und Mobilität besser miteinander zu verbinden.
Die wichtigsten Befunde
Der deutsche Kündigungsschutz hat einen Konstruktionsfehler: Er schützt den Arbeitsplatz, nicht die Erwerbsbiografie. Weil sein Wert verfällt, sobald jemand wechselt, wirkt er als implizite Steuer auf den freiwilligen Jobwechsel. In einer sich schneller wandelnden Wirtschaft wird diese geringe Mobilität zunehmend zu einem Risiko für Produktivität, Innovation und wirtschaftliche Dynamik.
Der Vorschlag: Beschäftigte oberhalb der Versicherungspflichtgrenze sollen beim Vertragsabschluss wählen dürfen: regulärer Kündigungsschutz – oder ein jederzeit beendbares Arbeitsverhältnis gegen eine verhandelbare Flexibilitätsprämie. Wer Sicherheit vorzieht, behält sie. Wer wechseln will, wird für das eingegangene Risiko entlohnt.
Lohntransparenz ist Voraussetzung, damit die Wahl fair ist: Ohne sie könnte ein Arbeitgeber das Grundgehalt absenken und den vollen Lohn nur denen zahlen, die auf ihren Schutz verzichten.
Ziel ist nicht der Abbau von Schutz, sondern mehr Wahlfreiheit – und ein Kündigungsschutz, der Sicherheit und Mobilität besser miteinander verbindet.
Ökonom Internationale Finanzmärkte und Makroökonomik
Prof. Dr. Markus Brunnermeier ist Edwards S. Sanford Professor im Department of Economics der Princeton University und Direktor des dortigen Bendheim Center for Finance. Seine Forschung gilt internationalen Finanzmärkten und der Makroökonomik.
Prof. Dr. Simon Jäger
Senior Fellow
Prof. Dr. Simon Jäger ist Senior Fellow am Zentrum für neue Sozialpolitik.
Prof. Dr. Benjamin Schoefer ist Associate Professor im Department of Economics der Universität von Kalifornien, Berkeley und Direktor des dortigen Macro Labor Center. Seine Forschung verbindet Makroökonomik und Arbeitsmarktökonomik.
Kilian Weil
Senior Projektmanager
Kilian Weil analysiert am ZSP gemeinsam mit Simon Jäger Arbeitsmarktreformen und flexible Institutionen und ist Doktorand an der Hertie School.