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Vom Kürzungsstreit zur Aufstiegspolitik
Deutschland diskutiert viel über Leistung und Aufstieg. Aber wer Eigenverantwortung ernst nimmt, muss auch fragen, ob Menschen die Mittel haben, Chancen tatsächlich zu nutzen. Ein befähigender Sozialstaat ersetzt keine Anstrengung, sondern sorgt dafür, dass sie sich wieder lohnen kann.
Wir reden in Deutschland gerade mal wieder viel über Eigenverantwortung. Aber wir reden zu wenig darüber, unter welchen Bedingungen Menschen überhaupt eigenverantwortlich handeln können. Genau hier liegt ein blinder Fleck der sozialpolitischen Debatte. Was wir aktuell beobachten, sind zwei eklatant unterschiedliche und immer weiter auseinanderdriftende Perspektiven auf eine gesellschaftlich existenzielle Frage: Wie kann Aufstieg gelingen?
Während die einen Fleiß und Tatkraft einfordern, betonen die anderen die systemische Undurchlässigkeit und die fehlende soziale Mobilität. Die Wahrheit ist: Beide Seiten haben Recht. Ohne die Bereitschaft, das eigene Schicksal in die Hand zu nehmen, wird es nicht funktionieren und sollte es auch nicht. Dabei darf aber nicht übersehen werden, wie ungleich die Möglichkeiten verteilt sind, Chancen zu nutzen und voranzukommen. Erst wenn diese strukturellen Hürden ernsthaft angegangen werden, kann die Forderung nach Eigenverantwortung gelten und das Aufstiegsversprechen, das unsere Gesellschaft antreibt, wiederbelebt werden.