Arbeitnehmer:innen richten ihre Erwartungen über ihre Alternativen am Arbeitsmarkt fälschlicherweise stark an ihrem aktuellen Lohn aus. Insbesondere Beschäftigte mit niedrigen Einkommen unterschätzen die Löhne, die sie anderswo erzielen könnten. Diese Studie belegt diesen sogenannten Ankereffekt, indem die Einschätzungen von Beschäftigten in einer repräsentativen Befragung in Deutschland erhoben und mit tatsächlichen Daten zu ihren realen Arbeitsmarktalternativen aus administrativen Datensätzen verglichen wurden. In einem Gleichgewichtsmodell wird aufgezeigt, dass ein solches Verhalten zu Marktmacht oder auch Monopson von Arbeitgebern und zu einer Segmentierung des Arbeitsmarktes führen kann. Im Einklang mit dem Modell sind diese Fehleinschätzungen besonders stark bei Beschäftigten in Niedriglohnunternehmen ausgeprägt. Wenn Arbeitnehmer:innen ihre tatsächlichen Alternativen korrekt einschätzen würden, wären mindestens 10 % der Jobs, vor allem in Niedriglohnunternehmen zu den aktuellen Löhnen nicht tragfähig.