- Projekt
- Chancen
Startchancenkapital
Veröffentlicht
7. Januar 2026
Status
laufend
Ausgangslage
In Deutschland hängt sozialer Aufstieg stark von der Herkunft ab. Kinder aus wohlhabenden Familien profitieren von Rücklagen, Bildungsunterstützung und Wissen über den Umgang mit Geld. Wer diese Voraussetzungen nicht hat, startet mit Nachteilen, die trotz eigener Anstrengung kaum aufzuholen sind. Unsere aktuellen Befragungsdaten zeigen: Die große Mehrheit wünscht sich, dass soziale Mobilität stärker von individueller Leistung abhängt und junge Menschen gleiche Startchancen erhalten. Zudem sinkt das Vertrauen in das Leistungsversprechen: Die Bürger:innen zweifeln daran, dass sich Anstrengung lohnt, wenn die Startbedingungen so ungleich sind.
Um dieses Vertrauen wiederherzustellen, braucht es Ansätze, die nicht nur allein auf kurzfristige Umverteilung setzen, sondern auf nachhaltige Befähigung. Eine Investition in junge Menschen ist daher zugleich eine Investition in die Gesellschaft: Finanzielle Bildung verbessert Entscheidungen, vermeidet Verschuldung, fördert Unternehmensgründungen und schafft nachhaltigen Wohlstand. In einer komplexen Welt wird sie damit zur Schlüsselkompetenz – sie hilft, Risiken zu verstehen, Chancen zu erkennen und informierte Entscheidungen zu treffen, etwa bei der Berufswahl, beim Sparen oder beim nachhaltigen Investieren.
Motivation
Chancengerechtigkeit beginnt früher, als reaktive Transferleistungen des Sozialstaats ansetzen. Bereits im frühsten Kindesalter entscheidet sich, ob wir lernen, mit Geld umzugehen – und ob überhaupt Kapital vorhanden ist, um etwas aufzubauen. Bildung allein reicht nicht aus, wenn die materielle Basis fehlt. Umgekehrt entfaltet Geld sein Potenzial nur, wenn das Wissen vorhanden ist, es sinnvoll zu nutzen.
Finanzielle Bildung und eine Anschubfinanzierung müssen daher Hand in Hand gehen. Nur wer versteht, wie Geld funktioniert, kann es langfristig zum eigenen Vorteil einsetzen – für Weiterbildung, Gründung, Vermögensaufbau oder Altersvorsorge.
Gerade in Deutschland ist der Nachholbedarf groß. Viele junge Menschen verlassen die Schule, ohne je etwas über Geldanlage, Versicherungen oder Schuldenmanagement gelernt zu haben.
Der Sozialstaat muss aus dem ewigen Reagieren herauskommen und endlich proaktiv befähigen. Durch Finanzbildung und Anschubfinanzierung schafft das Startchancenkapital echte Chancen, sozialen Aufstieg in die eigene Hand zu nehmen.
Idee
Eine Lösung bietet das Startchancenkapital: Der Staat stellt für jedes Kind ein kapitalgedecktes Anlagedepot bereit, das mit Erreichen der Volljährigkeit in die eigene Verwaltung übergeben wird.
Voraussetzung dafür ist der Nachweis finanzieller Bildung über ein einheitliches Finanzwissen-Zertifikat. Ohne dieses persönliche Engagement verbleibt das Geld in der angelegten Verwaltung und wird erst zum Renteneintritt ausgezahlt – ähnlich wie bei der geplanten Frühstartrente.
Das Startchancenkapital versteht den Staat als Ermöglicher, der nicht nur reaktiv Nachteile ausgleicht, sondern proaktiv Chancen bereitet und gleichzeitig Eigenverantwortung einfordert.
Ziel ist es, finanzielle Kompetenzen und individuelle Vermögensbildung zu fördern. Gelingt diese Befähigung in der Breite, kann der schwindende Glaube an das Aufstiegsversprechen erneuert und soziale Mobilität gestärkt werden.
Publikationen
- Policy Brief
Das Startchancenkapital
Viele Menschen starten mit unzureichenden Chancen ins Leben. Das Startchancenkapital verbindet finanzielle Starthilfe mit praxisnaher Finanzbildung und legt für jedes Kind ein kapitalmarktbasiertes Konto an. Nach dem Erwerb grundlegender Finanzkenntnisse wird das Guthaben mit Volljährigkeit als Wertpapierdepot übergeben – so eröffnet das Programm Perspektiven, stärkt Eigenverantwortung und fördert sozialen Aufstieg.
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Blogbeiträge
Projektteam
Moritz Rüppel
Leitung Fachbereich
Moritz Rüppel leitet den Bereich Zukunftsfähiger Sozialstaat. Im Fokus seiner Arbeit steht die politisch-strategische Ausrichtung des Bereichs, die proaktive Themensetzung der dort bearbeiteten Inhalte und der Transfer der Forschungsergebnisse in den parlamentarischen und vorpolitischen Raum.