Interview: Maike Wittmann zur Ausstellung ZEIT·RÄUME
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Zeit ist überall und dennoch bleibt sie politisch erstaunlich unsichtbar. Die Ausstellung ZEIT·RÄUME macht erfahrbar, warum Zeit weit mehr ist als Effizienz oder Termindruck. Im Interview spricht Projektleitung Maike Wittmann über Zeitarmut, Ungleichheit und die Frage, was sich ändern müsste, damit Zeit endlich als Gerechtigkeitsfrage verstanden wird.
Und sie ist in unserer Gesellschaft ungleich verteilt. Menschen haben sehr unterschiedliche zeitliche Spielräume. Und das nicht etwa zufällig oder nur weil manche besser planen als andere. Die Ausstattung mit freier und gestaltbarer Zeit hängt eng mit gesellschaftlichen Strukturen und sozioökonomischen Faktoren zusammen. Gerade in einer Gesellschaft, in der viele Menschen Zeitmangel verspüren, lohnt es sich, diese Zusammenhänge neu zu betrachten und Zeit als soziale Ressource zu verstehen.
Wie nähert sich die Ausstellung dem Thema?
Die Ausstellung setzt bewusst auf eine räumliche und sinnliche Annäherung. Die Besucher:innen bewegen sich durch drei Kapitel, die unterschiedliche Zeitverhältnisse erfahrbar machen – von chronischer Zeitknappheit über zeitlichen Wohlstand bis zur gesellschaftlichen Bedeutung von Zeitungleichheit. Persönliche Perspektiven ergänzen die Räume und machen sichtbar, wie Zeit zwischen individuellen Bedürfnissen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ausgehandelt wird. So werden abstrakte Ungleichheiten greifbar, und ihre strukturellen Hintergründe sichtbar. Denn bei ständigem Zeitmangel – oft Zeitarmut genannt – geht es nicht um gelegentlichen Stress, sondern um systemische Unterschiede im Zugang zu Zeit und damit eine Gerechtigkeitsfrage.
Welche Fragen müsste Politik stellen, wenn Zeit als soziale Ressource ernst genommen wird?
Zeit muss aus meiner Sicht als Kategorie in politische Debatten und Entscheidungen einfließen. So wie wir auf Einkommen, Vermögen oder Bildung schauen, müssen wir auch fragen: Wer verfügt über gestaltbare Zeit, wer nicht? Und was bedeuten bestimmte politische Entscheidungen für Menschen, die keine zeitlichen Spielräume haben? Wenn wir über Arbeitszeitflexibilisierung diskutieren, sollten wir uns z.B. fragen, was ein potenzieller 10-Stunden-Arbeitstag für eine Person bedeutet, die gerade so rechtzeitig vor Kitaschluss ihr Kind abholen kann und den restlichen Abend mit Sorgearbeit verbringt.
Für eine ernsthafte Zeitpolitik müssten Unterschiede in der Verfügbarkeit von Zeit sicht- und messbar gemacht werden. Das ist die Grundvoraussetzung auf eine gerechtere Verteilung von Zeit hinzuwirken.
Gab es während der Arbeit an der Ausstellung eine Erkenntnis, die deinen eigenen Blick auf Zeit nachhaltig verändert hat?
Besonders eindrücklich habe ich noch einmal erlebt, dass Zeitarmut viel mehr ist als nur gelegentlicher Stress. Die persönlichen Geschichten, die in das Projekt eingeflossen sind, zeigen, wie unterschiedlich sich ein Mangel an Zeit im Alltag äußert und auch, wie gravierend er ist. Gleichzeitig regt die Ausstellung zum Nachdenken an. Allen voran dazu, wie eine zeitgerechtere Gesellschaft aussehen kann.
Team
Judith Straub
Senior Kommunikationsmanagerin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Judith Straub verantwortet als Senior Kommunikationsmanagerin die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Zentrums.
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